Ein paar Worte zur US-Wahl

Ein paar Worte zur US-Wahl

Die meisten von uns haben schon viel zu viel zum Thema gelesen, aber ich muss dann doch mal ein paar Worte zu dem Thema hier rein schmeißen. Geht einfach nicht anders. Es war schon ein ziemlicher Schock: Man geht abends ins Bett und hat zumindest die berechtigte Hoffnung, dass man aufwacht und die USA ihre erste Präsidentin gewählt haben würden. Dass der Tag alles andere als gut werden würde, war mir kurz vor 5 klar.

Ein Tag, an dem man viel zu früh wegen einer beginnenden Migräne aufwacht kann gar nicht gut werden. Und während ich mir den Espresso machte, um die Schmerzmittel runter zu spülen, blätterte ich kurz durch die News. Das war dann der Moment, als ich ernsthaft daran dachte statt dem Espresso doch lieber zum Whiskey zu greifen. Alleine die Nachricht, dass Trump ernsthafte Chancen hätte die Wahl zu gewinnen, hat mich geschockt. Der weitere Verlauf des Morgens ist ja bekannt…

Und nein, ich werde jetzt hier nicht anfangen auf „die dummen Amis“ zu schimpfen, auch wenn unter den Wählern und Nichtwählern sicherlich einige waren, denen man einen IQ knapp oberhalb der Zimmertemperatur attestieren könnte und gerade diejenigen, die nicht wählen waren und dann erklären, dass ihr favorisierter Kandidat Sanders gegen Trump gewonnen hätte… Aber das bringt nichts, schließlich gibt es mehr als genug Vollidioten überall und nur weil knapp über die Hälfte der Wähler in den USA Trump gewählt haben, macht das „die Amis“ nicht dumm und zu Idioten.

Kleine Anekdote am Rande: Vor einiger Zeit geriet ich mal mit einem Sachsen aneinander, weil ich einen Link zu einem Artikel über das Versagen gegen Rechts in diesem Bundesland teilte mit dem Kommentar „Sachsen hat ein Nazi-Problem“. Die Vorwürfe waren dann, ich würde damit alle Sachsen über einen Kamm scheren und als Nazis bezeichnen. Ein reichlich an den Haaren herbei gezogener Vorwurf ohne jede Grundlage, aber okay – man muss ja nicht mit jedem bei Facebook „befreundet“ sein. Jener Sachse postete heute morgen einen Kommentar, den er mit folgenden Worten startete: „Ich wusste ja schon immer, dass die Amis einen an der Waffel haben, hätte aber nicht für möglich, dass sie so dumm sind“. Unnötig zu erwähnen, dass er tatsächlich meinte, dass so ein Kommentar ja keine Pauschalbeleidigung aller US-Bürger als dumm wäre, sondern man müsse schon wissen, wie er es meinen würde… aber zurück zum Thema.

Nein, nicht alle Wähler in den USA sind dumm, nicht mal alle, die Trump gewählt haben. Und wenn viele hier nicht nachvollziehen können, wie es zu so einem Ergebnis kommen kann, dann ist das durchaus logisch. Schließlich ist für uns das Bild der USA vor allem durch die Großstädte geprägt: Los Angeles, San Fancisco, New York usw. Die Menschen dort denken sehr viel mehr wie wir in Europa. Es gibt aber noch ein anderes Amerika, ein sehr ländliches Amerika und einen kleinen Einblick, wie die Menschen dort ticken gibt ein Artikel, den ich gestern bei der taz gelesen hatte. Auch danach versteht man die Menschen wahrscheinlich nicht, die die Evolutionstheorie für Humbug, Homosexuelle für krank oder widerlich und Donald Trump für den besten aller denkbaren Präsidenten halten. Es reicht vielleicht einfach zu verstehen, dass die Menschen in einem ganz anderen Umfeld leben.

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Keine Ahnung, was so ein Präsident Trump für die USA und die Welt bedeutet. Wird er alles umsetzen, was er im Wahlkampf angekündigt hat? Die Chancen stehen wohl gut, da die Republikaner in beiden Kammern ebenfalls die Mehrheit haben. Auf der anderen Seite ist er auch in seiner Partei nicht unumstritten. Es wird sich zeigen. Aber sicher wird sein, dass sich damit in den USA und vor allem in den Beziehungen der USA zum Rest der Welt einiges ändern wird. Ich zweifle daran, dass es positive Änderungen sein werden, aber da müssen die US-Bürger und der Rest der Welt eben durch und versuchen das Beste daraus zu machen.

Für mich persönlich wird sich durch diese Wahl auch ein bisschen was ändern. Denn es ist ja nicht so, dass Deutschland frei wäre von einem rassistischen, sexistischen und homophoben Populismus, ganz im Gegenteil. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit aktuell sehr gering, dass die AfD auf absehbare Zeit den Regierungschef stellen wird, aber jeder einzelne AfDer, der nächstes Jahr in den Bundestag einziehen wird, ist einer zu viel. Das gilt genauso für die Landtage und Kommunalparlamente.

Und ja, die Rechtspopulisten kann man nur stoppen, wenn man gemeinsam den Arsch hoch bekommt. Man kann natürlich versuchen in einzelnen Gesprächen und Diskussionen zu überzeugen, aber das alleine reicht nicht. Man muss die demokratischen Parteien unterstützen, mitmachen und sich einbringen. Nachdem ich das Kapitel Piratenpartei für mich abgeschlossen hatte, habe ich einige Zeit überlegt Mitglied einer anderen Partei zu werden, einfach weil ich ein politischer Mensch bin und eben auch politisch aktiv sein will. Aber da war irgendwie keine Partei, mit der ich mich anfreunden konnte.

Die Union kommt für mich weiterhin nicht in Frage, auch wenn ich inzwischen tatsächlich zu einem Merkelverteidiger werden musste in vielen Diskussionen und die Frau mit ihrer viel kritisierten Entscheidung in Sachen Flüchtlingsaufnahme sehr in meinem Ansehen gestiegen ist. Aber es rennen zu viele in der Union rum, die den Rechtspopulisten nicht konsequent entgegen treten, sondern sogar, mal leise, mal lauter, eine mögliche Koalition mit den blauen Braunen in Erwägung ziehen.

Die FDP ist zwar theoretisch – also in Sachen Programm – durchaus in großen Teilen mit meinem Ansichten überein oder zumindest nicht so weit weg, dass ich gleich kotzen müsste, aber auch hier gibt es vereinzelte Personen, die mir zu inkonsequent sind, wenn es um die Abgrenzung nach rechts geht. Fällt auch aus.

Über die Idiotenquote in der Partei Die Linke müssen wir nicht weiter reden. Programm hin, gute Leute wie Gregor Gysi her, aber wenn ich schon höre, was für einen AfD-kompatiblen Mist Frau Wagenknecht immer wieder raus haut, dann wird mir schlecht. Mit solchen Menschen kann und will ich nicht zusammen arbeiten.

Und die Grünen… die befassen sich gefühlt viel zu sehr mit Themen, die meiner Meinung nach echt zweitrangig sind und spielen sich dabei zu oft als Oberlehrer auf, ob das nun beabsichtigt ist oder nicht. Aber ich empfinde die Grünen als im Grunde ihres Herzens zutiefst konservative Partei. Nichts für mich.

Irgendwelche Splitterparteien kommen eh nicht in Frage, schließlich will ich mich ja irgendwo einbringen, wo es auch einen Effekt bringt. Und was bleibt da? Offenbar nur die SPD…

Ja, ich war bereits SPD-Mitglied – sehr lange her – und eigentlich dachte ich, dass diese Partei nach Schröders Agenda 2010 für mich endgültig gestorben wäre. Aus Überzeugung kann ich da also nur schwer wieder Mitglied werden, auch wenn das Programm durchaus im Großen und Ganzen passt. Und ja, es gibt sehr viele gute Leute bei der SPD, auch keine Frage. Die Idiotenquote erscheint mir deutlich kleiner als bei Die Linke und meine früheren Erfahrungen in der SPD zeigen mir, dass man mit ein bisschen Engagement durchaus ein bisschen was bewegen kann.

So steht es also fest, ich werde wieder SPD-Mitglied und werde mich dann auch aktiv dort einbringen. Ein verdammt seltsames Gefühl, diese Entscheidung getroffen zu haben, aber scheiße verdammt, jeder muss eben aktiv etwas dafür tun, dass wir nicht demnächst eine (Vize-)Kanzlerin Petry haben und wenn es eben bedeutet, dass ich der SPD die Agenda 2010 nicht vergesse, aber im Sinne des gemeinsamen Ziels zumindest darüber hinwegsehen können muss, dann ist das eben so. Sorry SPD, wie es aussieht, habt ihr mich wieder an der Backe.

Und dann noch der Song des Tages, danke an Stefan Laurin, der auch ein wenig was zum Wahlergebnis geschrieben hat:

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=cfqVQ2ymc9k

Beitragsbild von tiburi via pixabay.com

Autor: Carsten Dobschat

Geboren 1974, links-liberal, früher Mitglied der SPD und Jusos, dann lange parteilos, später Piratenpartei, wieder parteilos und seit November 2016 wieder SPD-Mitglied - wenn auch mit Bauchschmerzen, aber man muss ja schließlich was tun gegen den Rechtsruck.

3 Gedanken zu „Ein paar Worte zur US-Wahl“

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