Die Probleme mit dem politisierten Christentum sind überall gleich

Der @CDU folgte ich auf Twitter nicht einmal, bis gerade eben. Aber wie das so ist, wenn eine große Partei etwas kund tut: Es wird geteilt und kommt an dir vorbei. So auch das Interview von Annegret Kramp-Karrenbauer mit Alice Schwarzer für Emma.

Und ich muss ja sagen, es fällt mir sowieso schwer, AKK wirklich ernst zu nehmen, seit sie so beharrlich darauf besteht, Homosexuelle sollten von Staatswegen diskriminiert werden. Ja gut, sie gesteht ein, dass die Mehrheit der Bundestagsabgeordneten diesen Anachronismus abgeschafft hat, sie macht aber auch keinen Hehl daraus, was sie davon hält.

Dass sie prominentes Mitglied des politischen Arms des Christentums ist, lässt den Schluss ja durchaus zu, dass das rückständige Bild der Kirche hier nicht völlig nebensächlich ist. Umso abstruser ist es, wenn AKK im Interview stolz erklärt, dass sie die Freiheitsrechte religiöser Frauen einschränken möchte. Doch dabei tritt sie parallel für liberale Werte ein, sagt sie zumindest. Wie passt das zusammen?

Die Auflösung ist so einfach wie offensichtlich: AKK will mehr Liberalismus… im Islam: Sie will Muslima, ganz im Sinne einer freiheitlichen Gesellschaft, vorschreiben wie sie sich zu kleiden haben. Denn der Islam braucht dringend liberale Kräfte, ganz im Gegensatz zum Christentum, das ist schließlich liberal genug.

Auch sieht sie Probleme mit dem „politisierten Islam“, die sogar überall gleich sind. Was ein Glück, dass wir kein Problem in Deutschland haben mit einer „politisierten Glaubensgemeinschaft“. Kaum auszudenken, welche Entwicklungsbremse für eine Gesellschaft es sein könnte, wenn eine uralte Religion in politischer Verantwortungsposition säße und dort die Geschicke des Landes lenkte. In unserer liberalen Gesellschaft zum Glück undenkbar, dass eine religiöse Partei sich da stark macht und Frauen zum Beispiel Kleidungsvorschriften auferlegt, Homosexuellen die Ehe verbieten wollte oder auch ganz banal irgendwelche religiösen Feiertage zur Staatssache macht und allen Menschen, mal ganz verrückt gesponnen, an solchen Tagen das Tanzen verbietet.

In Deutschland zum Glück undenkbar.

„Ich erwarte von allen Menschen, die zu uns kommen, dass sie unsere Werte akzeptieren […]“

Annegret Kramp-Karrenbauer im Interview mit Alice Schwarzer

Es wundert, in diesem gesamten Kontext, auch kaum, dass der Aufhänger für diese Themen „christliche Werte“ sind, die sie zu verteidigen versucht. Sie erwartet, von allen Menschen, die zu uns kommen, dass diese unserer Werte akzeptieren, sagt sie. Menschen die zu uns kommen? Wer kommt den „zu uns“? Mit dem Bogen zur „Kölner Silvesternacht“ ist klar, um was es hier geht: Diese fiesen Flüchtlinge, die unsere Werte nicht teilen.

Wenn Frau Kramp-Karrenbauer der Maßstab für unsere gesellschaftlichen Werte ist, dann will ich diese Werte nicht haben