Zwangsweise Kasernierung von Hartz IV-Beziehern

Wenn es um den Umgang mit Hartz IV-Empfängern geht scheint keine Idee mehr zu abwegig zu sein:

Nach „PR-SOZIAL“ vorliegenden Informationen plant die Arge Rhein-Lahn-Kreis die Kasernierung von Hartz IV-Betroffenen unter 25 Jahren. […] Die Jugendlichen müssen von in der Früh bis spätnachmittags in einem von der ArGe gemieteten Haus verbleiben und müssen pünktlich zum Appell auf dem Hofgelände des Anwesens erscheinen und werden das Haus in dieser Zeit nicht ohne Genehmigung der Arge verlassen dürfen. Abends dürfen sie heimgehen. Es ist vorgesehen, dass diejenigen, die sich der Betreuung entziehen, mit Sanktionierung bis auf völlige Versagung von Arbeitslosengeld II inklusive Mietkosten zu rechnen haben. Angeblich wird an einem Bewertungssystem gearbeitet, nach welchem die Jugendlichen Punkte in den geplanten Kursen erzielen müssen.

(via Isotopp)

Update 07.06.2007: Gestern schon in den Kommentaren gepostet: im Forum Aktive Erwerbslose wird Peter Hahn, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Rhein-Lahn zitiert:

Soweit in einer Internetveröffentlichung vom 27.05.2007 dargestellt wird, es sei im Rahmen dieses Projekts geplant, Jugendliche im Alter unter 25 Jahren „täglich per Zwang zu kasernieren“, „sie pünktlich zum Appell im Hof antreten zu lassen“ und bei Fehlverhalten „eine Bestrafung per Pranger“ durchzuführen, entbehrt dies offensichtlich jeglicher Grundlage und würde auch den oben dargestellten Zielen der Maßnahme völlig zuwider laufen.
Eine weitergehende Kommentierung dieses Vorbringens erübrigt sich daher.
Dem Verfasser dieses Artikels ist insoweit allerdings unprofessionelles Handeln vorzuwerfen, da er entweder ihm zugetragene Informationen nicht ausreichend auf ihre Richtigkeit hin überprüft oder einem offensichtlich böswilligen Informanten fahrlässig vertraut hat.

Ändert aber nichts an meiner Aussage zur Meldung bei pr-sozial (ob falsch oder nicht), dass inzwischen wohl alles vorstellbar bzw. nichts mehr zu abwegig scheint…

Autor: Carsten Dobschat

Geboren 1974, links-liberal, früher Mitglied der SPD und Jusos, dann lange parteilos, später Piratenpartei, wieder parteilos und seit November 2016 wieder SPD-Mitglied - wenn auch mit Bauchschmerzen, aber man muss ja schließlich was tun gegen den Rechtsruck.

13 Gedanken zu „Zwangsweise Kasernierung von Hartz IV-Beziehern“

  1. „scheint nicht abwegig“ ist doch ein kleiner Unterschied zu „ist nicht abwegig“… Und ob Ente oder nicht wird sich ja wohl noch zeigen. Bislang gibt es die oben teilweise zitierte und verlinkte Darstellung von pr-sozial und [url=http://www.aktive-erwerbslose.de/forum/index.php?topic=1876.msg14162#msg14162]eine Darstellung, die dem widerspricht[/url], auf die Du Dich wahrscheinlich beziehst? Oder hast Du noch weitere Links? Wäre ja schön, wenn das Projekt wirklich nicht so wie bei pr-sozial beschrieben geplant wäre…

  2. Carsten: Fehlt in Deiner Antwort etwas?

    Mein Punkt: Wenn da etwas von „Kasernierung“ steht und die Leute abends nach Hause gehen dürfen, ist es keine Kasernierung. Es ist der ganze Punkt von Kasernierungen, dass die Betroffenen nicht nach Hause gehen dürfen. Insofern widerspricht sich die einzige Quelle selbst.

  3. Kannst Du einfach sagen, was Du nun genau willst? Eine lange und breite Diskussion über die Frage, wann etwas abwegig scheinen muss und wann nicht oder was?
    Der Punkt ist der: pr-sozial hat eine Meldung gebracht und alleine die Meldung und die Hinweise darauf zeigen ja schon, dass inzwischen wohl fast alles vorstellbar ist. Um mehr geht es da oben in dem Beitrag gar nicht.
    Du sagst es ist eine Falschmeldung, es gibt ja zwischenzeitlich auch ein Dementi (habe ich ja verlinkt), dann ist es also eine Falschmeldung bei pr-sozial, die werden das hoffentlich korrigieren. Aber an dem Punkt im Beitrag hier ändert das ja nichts, an dem Punkt um den es geht, dass nämlich inzwischen kein Vorschlag mehr zu abwegig *scheint*. Das hat nix mit Hinterfragen zu tun – das Hinterfragen kommt erst nach dem ersten Anschein – es geht ganz allein darum, was inzwischen alles vorstellbar ist…

  4. Wenn es um den Umgang mit Hartz IV-Empfängern geht scheint keine Idee mehr zu abwegig zu sein:
    Nach „PR-SOZIAL“ vorliegenden Informationen plant die Arge Rhein-Lahn-Kreis die Kasernierung von Hartz IV-Betroffenen unter 25 Jahren. […] Die Jugendlichen m

  5. So, und jetzt auch noch im Beitrag klar gestellt, dass es eine Falschmeldung ist bei pr-sozial und worum es in meinem Ein-Satz-Kommentar zu dieser Meldung eigentlich geht… Damit sind nun hoffentlich alle Missverständnisse und Unklarheiten beseitigt…

  6. Ich sehe eine Meldung, die ich auf den ersten Blick als unglaubwürdig bzw grob irreführend einstufe. Damit ist sie für mich eben genau das: abwegig.

    Du hingegen siehst Deine unreflektierte Übernahme der Falschmeldung als Indiz für irgendwas. Für was? Dass die ArGes den ganzen Zeit ähnliche Sachen beschließen – wenn auch nicht in diesem Fall?

  7. Du siehst es als „unreflektierte Übernahme einer Falschmeldung“, für mich ist es ein kommentierter Hinweis – oder steht da oben irgendwo (außer im Zitat natürlich), dass es eine Tatsache wäre? Nein. Und ich habe auch absichtlich den einleitenden Satz von pr-sozial zitiert, dass es sich um deren Informationen handle. Und mein Kommentar ist eigentlich deutlich: es scheint nichts mehr zu abwegig zu sein, wenn es um die Frage geht, was den Umgang mit Hartz IV Empfängern angeht. Nicht mehr und nicht weniger. Hätte ich irgendwas anderes sagen wollen, dann hätte ich das getan – da gibt es nichts zu interpretieren.

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