Warum auch nicht gleich 42 Stunden?

Der Streik im öffentlichen Dienst wird immer spassiger. Immer mehr wird gestreikt und jetzt haut Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus noch einen drauf: nicht nur will er die Angestellten im öffentlichen Dienst gleich 42 Stunden pro Woche arbeiten lassen, nein, es sollen auch massiv Stellen abgebaut werden:

Althaus forderte zugleich einen massiven Stellenabbau im öffentlichen Dienst: „Wir brauchen mehr Arbeitsplätze in der freien Wirtschaft und einen deutlichen Personalabbau bei Bund, Ländern und Kommunen“, schrieb der CDU-Politiker. „Auch die riesigen Personalapparate sind ein Grund dafür, dass in Deutschland fast jeder zweite Euro durch die Hände des Staates geht. Das behindert das Wirtschaftswachstum – und damit die Schaffung neuer Arbeitsplätze in der freien Wirtschaft

Interessante Logik: Bund, Länder und Kommunen entlassen Leute und dadurch werden neue Arbeitsplätze in der „freien Wirtschaft“ geschaffen. Wie dieses Kunststück gelingen soll würde mich schon mal interessieren. Noch mehr Arbeitslose, die weniger Geld ausgeben – das gibt sicher einen riesigen Boom. Der Mann will doch nicht ernsthaft behaupten, dass durch Entlassungen heut morgen schon die Steuern und Abgaben gesenkt werden würden – selbst wenn die sinken würden, das dauert… Ich befürchte der Streik wird noch eine ganze Weile so weiter gehen, am Ende einige Arbeitsplätze kosten und uns alle einen dicken Batzen mehr Geld kosten. Ich erwähnte es schon: ich habe kein Verständnis für die Forderung von Ver.di. Für einen relativ sicheren Arbeitsplatz statt 38,5 in Zukunft 40 Stunden pro Woche zu arbeiten ist doch durchaus vertretbar oder etwa nicht?

Autor: Carsten Dobschat

Geboren 1974, links-liberal, früher Mitglied der SPD und Jusos, dann lange parteilos, später Piratenpartei, wieder parteilos und seit November 2016 wieder SPD-Mitglied - wenn auch mit Bauchschmerzen, aber man muss ja schließlich was tun gegen den Rechtsruck.

3 Gedanken zu „Warum auch nicht gleich 42 Stunden?“

  1. „Für einen relativ sicheren Arbeitsplatz statt 38,5 in Zukunft 40 Stunden pro Woche zu arbeiten ist doch durchaus vertretbar oder etwa nicht?“

    Wie war das noch mit den Rechenaufgaben in der Primarstufe? „Drei Bauarbeiter braucht 2 Tage, um eine Mauer zu bauen. Wie lange brauchen dann sechs Bauarbeiter?“ Na klar, einen Tag. Wenn länger gearbeitet wird, brauch ich weniger Bauarbeiter. Oder Fliesenleger, oder Sanitärkräfte, oder …

    Eine Arbeitszeitverlängerung ist wohl kaum der richtige Weg, um Arbeitsplätze zu sichern, oder gar zu schaffen.

    Um zu bewerten, ob solche Forderungen berechtigt sind, sollte man sich auch die jeweiligen Unternehmen ansehen.

  2. Du weisst, was man so als „Milchmädchenrechnung“ bezeichnet? Einfach nur die Arbeitszeit zu verkürzen schafft keine neuen Arbeitsplätze. Es gibt nun mal nur eine gewisse Menge X an Geld für die Mitarbeiter im öffentlichen Dienst bzw. um die Aufgaben zu bewältigen, die sie haben. Mehr Mitarbeiter kosten mehr Geld, egal ob bei 38,5 oder bei 40 Stunden pro Woche.
    Wer stur behauptet, Arbeitszeitverkürzungen wären das Wundermittel zur Schaffung neuer Arbeitsplätze oder auch nur zur Arbeitsplatzsicherung, der ignoriert die Realität oder betreibt reine Propaganda…

  3. „Wer stur behauptet, Arbeitszeitverkürzungen wären das Wundermittel zur Schaffung neuer Arbeitsplätze oder auch nur zur Arbeitsplatzsicherung, der ignoriert die Realität oder betreibt reine Propaganda…“
    Das habe ich nicht behauptet. Ich sprach von Arbeitszeitverlängerungen. Es geht doch hier darum, von 38,5 auf 40 oder gar 42 Stunden zu wechseln. Ich hab doch keine 30-Stunden-Woche gefordert ö_Ö

    „Mehr Mitarbeiter kosten mehr Geld, egal ob bei 38,5 oder bei 40 Stunden pro Woche.“
    Vielleicht ist ja gerade das ein Fehler. Vielleicht sollte es günstiger sein, 400 Mitarbeiter bei 38,5 Stunden zu beschäftigen, als 385 Mitarbeiter bei 40 Stunden zu beschäftigen. So oder so kommst du auf 15.400 Arbeitsstunden. Sicher, es gibt Berufe, bei denen es natürlich von enormem Vorteil ist, wenn Mitarbeiter nicht häufig wechseln – weil sie sich sonst bei Projekten, die geplant werden müssen, austauschen müssen, was Zeit kostet, oder, weil Projekte, an denen einzelne Mitarbeiter arbeiten, sich dann länger hinaus ziehen. Aber bei der Müllabfuhr?

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