Piratisierung der AfD?

Ein Appell

Ein Grund für den Untergang der Piratenpartei war wohl – so zumindest sehen es nicht wenige Menschen – der heftige und öffentlich ausgetragene Streit. Auch die Verluste für die CDU bei den letzten Landtagswahlen wurden unter anderem damit erklärt, dass die CDU es nicht schaffte geschlossen (in diesem Fall geschlossen hinter Angela Merkel) aufzutreten, sondern die Kandidaten im Land mehr oder weniger offensichtlich versucht haben, sich von Merkels Flüchtlingspolitik zu distanzieren. Wenn man diese Erklärungen als gegeben annimmt, dann kann man das verkürzt so zusammenfassen: Innerparteilicher Streit, der öffentlich ausgetragen wird, kostet Prozente bei Wahlen.

Na dann gibt es ja immer mehr Grund zur freudigen Annahme, dass die AfD ein ähnliches Schicksal ereilt, wie die Piratenpartei: Absturz von der Protestpartei zu einer Partei unter „Sonstige“. Ich möchte aber festhalten, dass ich diesen Weg bei den Piraten bedauere, bei der AfD aber freudig zur Kenntnis nehmen würde (werde?).

Klar, kleinere Scharmützel gab und gibt es immer wieder bei den AfDern, aber offenbar haben sich die beiden Spitzenfrauen der AfD nun dazu entschieden, ihre Meinungsverschiedenheiten per sog. Lügenpresse auszutragen. Das Thema sind mal wieder die Äußerungen zum Thema „Schusswaffen-Gebrauch an der Grenze“. Wie jetzt? Darüber gibt es Streit? War es nicht so, dass Beatrix von Storch ihrer Parteisprecherin nach deren Äußerung nicht schnell genug beispringen und noch einen drauf setzen konnte?

Wir erinnern uns: Frauke Petry erklärte im Januar, dass man die Grenzen im Zweifelsfall auch mit Waffengewalt gegen Flüchtlinge schützen müsse. Beatrix von Storch stimmte dem umgehend per Facebook und Twitter zu und bejahte auf Nachfrage auch gleich noch, dass auch auf Frauen und Kinder geschossen werden solle. Natürlich gab es da jede Menge Korrekturen und Distanzierungen und es war alles nicht so gemeint (von Storch prägte mit ihren Ausreden das schöne Wort „mausgerutscht“), aber wir wissen ja alle, wie das so ist mit den Distanzierungen bei der AfD.

Petry hat nun also per Bunte ihrer Parteifreundin mitgeteilt, dass es katastrophal gewesen wäre, was von Storch da gesagt habe. Dies wiederum hat Beatrix nicht auf sich sitzen lassen und über die BILD nun zurück-(sorry)-geschossen und es als „Kardinalfehler“ bezeichnet, dass Petry die Debatte überhaupt erst mit ihrer Äußerung losgetreten habe.

Ich denke, ich werde mir jetzt Popcorn machen und darauf hoffen, dass das so weiter geht – so einen Gleichstand lassen doch hoffentlich beide Damen nicht auf sich sitzen 😉

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Autor: Carsten Dobschat

Geboren 1974, links-liberal, früher Mitglied der SPD und Jusos, dann lange parteilos, später Piratenpartei, wieder parteilos und seit November 2016 wieder SPD-Mitglied - wenn auch mit Bauchschmerzen, aber man muss ja schließlich was tun gegen den Rechtsruck.

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