Nazis? Nein, gibt es bei uns nicht…

Was man so alles erlebt, wenn man – wie in diesem Fall Konstantin Wecker und Strom & Wasser – im Osten unseres Landes Konzerte gegen Rechts zu veranstalten kann man in der Schilderung von Heinz Ratz (Strom & Wasser) nachlesen. Hier mal ein paar Zitate, aber es lohn sich die Geschichte komplett zu lesen…

So fassten wir den Plan, im März 2006 Konzerte in Hoyerswerda, Neustadt an der Orla, Halberstadt und Schwerin zu spielen. Das Motto sollte klar benannt sein: „Nazis, raus aus unserer Stadt“ – eine kleine Antifa-Tour. Erste Schwierigkeiten traten in Hoyerswerda auf: der Leiter der „Kulturfabrik“, ein Mann, der sich immerhin verantwortlich zeigt für Liedermacherförderung, erklärte gegenüber Konstantin Weckers Management, unter dem Motto könne er keine Veranstaltung zulassen, da es in Hoyerswerda gar keine Nazis mehr gäbe. Die Stadt hätte so viel gegen sie unternommen – nun seien keine mehr da, daher sei auch das Motto der Veranstaltung komplett deplaziert.

Soso, Hoyerswerda ist also frei von Nazis? Also so ganz mag ich das nicht glauben… Und da bin ich nicht alleine, bei de.indymedia.org kann man so einiges nachlesen, was durchaus berechtigte Zweifel an der Behauptung weckt, Hoyerswerda wäre eine Stadt ohne Nazis.

Und wenn nicht schon gleich die Existenz von Nazis vor Ort geleugnet wird, dann ist die NPD sofort zur Stelle solche Konzerte zu unterbinden:

Dann trat plötzlich die NPD ins Spiel, die mit Protesten und Aktionen gegen die Veranstaltung drohte, notfalls mit der Klage vor Gericht, um in öffentlichen Räumen ähnliche Veranstaltung durchführen zu können. Damit wurde die Genehmigung durch den Landkreis wieder zurückgezogen. Die Zora e.V. fand nun einen Privatveranstalter, das örtliche Sportzentrum, das durch Mithilfe des Landrates und private Sponsoren bezahlbar wurde – der aber aufgrund der Drohungen der NPD sich ebenfalls wieder zurückzog. Auch auf ihrer Internetseite äußerte sich die NPD mit einer unverschämten Siegessicherheit gegen das Konzert und drohte kaum verschlüsselt mit Randalen.

In meinem Gespräch mit dem stellvertretenden Bürgermeister Hase, äußerte der sein Bedauern darüber, dass die Veranstaltung nun nicht möglich sei, ich müsse aber die Verantwortung der Stadt für die Sicherheit ihrer Bürger bedenken, außerdem sei ja die NPD eine demokratische Partei und dann bat er mich auch um Verständnis dafür, dass die Stadt und ihre Bürger sich nicht „von einem Konzert vergewaltigen lassen wollten“.

Autor: Carsten Dobschat

Geboren 1974, links-liberal, früher Mitglied der SPD und Jusos, dann lange parteilos, später Piratenpartei, wieder parteilos und seit November 2016 wieder SPD-Mitglied - wenn auch mit Bauchschmerzen, aber man muss ja schließlich was tun gegen den Rechtsruck.

9 Gedanken zu „Nazis? Nein, gibt es bei uns nicht…“

  1. Schon im letzten Newsletter von Strom & Wasser hat Heinz Ratz kurz geschrieben, welche Probleme es mit der Konzerttour „Nazis raus aus unserer Stadt“ gab. Hier für alle Interessierten eine ausführlichere Darstellung der Probleme mit denen sie zu kämpfe

  2. Jawohl, das zumindest bekam das Management von Konstantin Wecker zu hören. Hintergrund: Konstantin Wecker und Strom & Wasser wollten eine kleine Tour gegen Rechts spielen im Osten. Motto: "Nazis raus aus unserer Stadt". In Hoyerswerda war das nicht möglich, angbelich gäbe es keine Nazis mehr in Hoyerswerda. Den vollständigen Bericht von Heinz Ratz gibt es bei Liedermaching, ein paar weitere Informationen dazu bei de.indymedia.org und bei Kamikaze-Demokratie habe ich das auch…

  3. Die Absage des Konzerts von Konstantin Wecker und Strom & Wasser in Halberstadt führt nun zu einigen Reaktionen: Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan J. Kramer bezeichnet den Vorfall als „Bankrotterklärung der Politik“. Auch Politike

  4. "Nazis raus aus dieser Stadt!" Mit diesem Motto wollte der Liedermacher Konstantin Wecker heute ein Konzert in einer Schule in Halberstadt in Sachsen-Anhalt geben. Doch die NPD hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht und ein V…

  5. Auch hier auf Kamikaze-Demokratie (wie auch in meinem Weblog) hatte ich die Ereignisse der geplanten AntiFa-Tour in einem Beitrag gebracht. Dabei habe ich mich auf die Darstellung von Heinz Ratz beschränkt, welches zu dem Zeitpunkt die einzige war, die ic

  6. Das durch NPD-Drohungen verhinderte Konzert von Konstantin Wecker in Halberstadt war kein Einzelfall. Die Tagesschau berichtet über eine weitere Veranstaltung, bei der die NPD durch die Ankündigung sie „aufmerksam begleiten und besuchen“ zu wollen Druck a

  7. Im Gegensatz zum Wecker-Konzert in Halberstadt musste die NPD in Bad Reichenhall nicht mal drohen, um eine Vortragsveranstaltung "zur Genese des modernen Antisemitismus" zu verhindern. Laut Michael Gaul, dem Referenten der geplanten Veranstaltung, war die Begründung exakt dieselbe wie im Falle der Absage des Wecker-Konzertes in Halberstadt: Lässt man antifaschistische Arbeit, gemeint ist ein Vortrag über Antisemitismus, in einem öffentlichen Raum zu, so könne man auch rechtsextremen…

  8. Ich hatte hier die Darstellung von Heinz Ratz gepostet über die Vorgänge, die zur Konzert-Absage in Hoyerswerda und Halberstadt geführt haben. Die Kulturfabrik Hoyerswerda bzw. deren Geschäftsführer Uwe Proksch sah das anders und ich habe auch deren Sicht

  9. Auch der Bundestag hat sich jetzt mit der Konzertabsage in Halberstadt befasst. Ein Auftritt von Konstantin Wecker und Strom & Wasser im Rahmen einer AntiFa-Tour wurde dort wegen der Drohungen der NPD abgesagt. Die Begründung war unter anderem, dass e

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