Das Problem mit Symbolbildern

Das Problem mit Symbolbildern

Symbolbilder sind ein Problem, besonders für „besorgte Bürger“, die oftmals einfach nicht verstehen (wollen), dass ein Symbolbild eben nicht unbedingt einen in einem Beitrag geschilderten Beitrag wiedergeben, sondern eben Symbolbilder sind. Mit Bild ist eine Meldung nun mal attraktiver, gerade wenn es um Facebook geht. Einen besonders „schönen“ Fall eines Symbolbild-Fails lieferte gestern „Saarland-Brandaktuell“.

„Saarland-Brandaktuell“ ist eine Facebook-Seite, die laut Eigenbeschreibung „über Hilfsorganisationen, Veranstaltungen, Einsätze, Feuerwehr, Polizei, den THW und den Rettungsdienst“ berichtet. Um dies zu verdeutlichen, haben sie in ihrem Seitenheader ein Bild mit den Logos u.a. von ASB, Rotes Kreuz, THW, Polizei usw. Ein wenig skeptisch stimmt die Tatsache, dass die Seite kein ordentliches Impressum aufweist, sondern nur eine anonyme Postfach-Adresse. War da nicht was mit „ladungsfähiger Anschrift“ und einer Person, die als inhaltlich verantwortlich genannt werden müsste? Aber darum geht es eigentlich nicht, da mag sich jemand anders mit beschäftigen.

Gestern also berichtete die Seite über einen Vorfall von Samstag in einem Linienbus. Hier kam es laut Bericht zu einer Schlägerei, bei der drei Frauen auf den Busfahrer losgegangen sein sollen. Soweit so leider normal, handgreifliche Auseinandersetzungen kommen ja leider öfter vor, aus den nichtigsten Anlässen. In diesem Fall soll es um eine abgelaufene Fahrkarte gegangen sein. Das wäre alles kein Ding, hätten die Macher von „Saarland-Brandaktuell“ nicht die wenig glorreiche Idee gehabt, die Meldung mit einem Symbolbild zu schmücken:

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Zu diesem Bild wurde geschrieben: „Beispielfoto: Quelle YouTube“. Lustig, oder? Nun ist auf diesem „Beispielfoto“ ganz offensichtlich kein Bus zu sehen, der im Saarland fährt und eigentlich sollte man verstehen können, dass „Beispielfoto“ hier „Symbolbild“ meint. Sollte man. Aber alleine die Tatsache, dass auf diesem Bild offensichtlich Menschen mit dunklerer Hautfarbe zu sehen sind, führte natürlich direkt einem, der inzwischen üblichen rassistischen Kommentaren, eines „besorgten Bürgers“:

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Doof halt eben nur, dass in der Meldung kein Wort zur Hautfarbe oder Nationalität der Verdächtigen steht und eben, wie bereits erwähnt, das Foto nicht die beschrieben Situation zeigt, sondern irgendeine. Der Hinweis darauf verpufft natürlich wirkungslos an der Ignoranzbarriere unseres postfaktischen Mitbürgers:

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Dem wird natürlich prompt beigesprungen:

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Nur zur Erinnerung: Es steht unter dem Beitrag, dass es sich um ein „Beispielfoto“ von YouTube handelt. Das hindert aber so manchen medieninkompetenten Mitbürger nicht daran, sich auf dieses Bild zu berufen und davon auszugehen, dass die Verdächtigen eben keine „Deutschen“ gewesen sein könnten. Mal abgesehen davon, dass die Frage ob jemand Deutscher ist oder nicht, keine Frage der Hautfarbe, sondern eine Frage der Staatsangehörigkeit ist, beweist auch dieser „besorgte Bürger“ nur seine eigene Inkompetenz im Umgang mit den Medien.

Und übrigens, dank der Google Bildersuche kann man recht schnell herausfinden, dass das Bild wohl aus einem Video der Polizei in Lincoln, Nebraska aus dem Jahr 2011 stammt. Es hat mit dem Fall in Saarbrücken also maximal wenig zu tun.

Die Betreiber der Seite „Saarland-Brandaktuell“ scheint es aber nicht zu stören, dass sie mit der Wahl dieses „Beispielfotos“ rassistische Vorurteile bedienen und entsprechende Kommentare provozieren (von Urheberrechten wollen wir mal nicht anfangen, das ist tatsächlich eine ganz andere Nummer, wenn man sich seine Symbolbilder einfach mal bei YouTube zieht), was ihnen spätestens nach meinem Kommentar gestern Abend bekannt gewesen sein muss.

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Artikelbild: Symbolfoto „Saarland-Brandaktuell“, von Alexas_Fotos via pixabay.com, Lizenz: CC0 Public Domain

Autor: Carsten Dobschat

Geboren 1974, links-liberal, früher Mitglied der SPD und Jusos, dann lange parteilos, später Piratenpartei, wieder parteilos und seit November 2016 wieder SPD-Mitglied - wenn auch mit Bauchschmerzen, aber man muss ja schließlich was tun gegen den Rechtsruck.

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